Selbstorganisation im Unternehmen, Teilhabe und Eigentum

Fazit nach einem spannenden Zoom-Talk Spezial

Selbstorganisation im Unternehmen, Teilhabe und Eigentum

Wie verteilt sich Eigentum?
Wie sollen wir uns weiterentwickeln?
Wie die Potentiale der Mitarbeitenden mehr einbinden?
Was bringt es mir als Angestellter*m, in einem Unternehmen in Verantwortungseigentum zu arbeiten?

Das waren nur einige der Fragen, mit denen die Teilnehmenden in den Zoom-Talk am 16.5. zum Thema "Selbstorganisation im Unternehmen und Eigentum" kamen.

Vier spannende Talk-Gäste mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven gaben Einblick in ihre Erfahrungen und ihre Sicht auf das Thema Teilhabe im Unternehmen.

Sabine Kauffmann konnte auf 40 Jahre bio verlag zurückschauen und ist überzeugt, dass jedes Unternehmen seinen Weg finden muss. Sie ist überzeugt, dass es nicht das EINE Rezept für die Gestaltung von Teilhabe und Eigentum im Unternehmen gibt, sondern es immer von den Ausgangsbedingungen, den Haltungen der Unternehmer*innen und der Bereitschaft der Mitarbeitenden, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen, abhängt. Es braucht die Bereitschaft loszulassen auf der einen und zu übernehmen auf der anderen Seite.

Alle waren sich einig: Teilhabe hat drei Aspekte:

  • Entscheidungen
  • Erfolg und
  • Kapital.

Gunnar Barghorn fügte in seinem Input einen vierten Aspekt hinzu, den alle anderen als gegeben gesetzt hatten, der jedoch nicht selbstverständlich ist: Information.
Nur wenn Transparenz und der umfassende Zugang zu allen Informationen gegeben ist, können alle auch wirklich an den Entscheidungen teilhaben.

Einig waren sich auch alle, dass der Umgang, die Einordnung und Bewertung der zugänglichen Informationen und die Teilhabe an Entscheidungen Übung braucht und sich nicht von selbst herstellt. Und dass es die Bereitschaft braucht, die Folgen von Fehlentscheidungen hinzunehmen und gemeinsam daraus zu lernen.

Für die Teilhabe am Erfolg gibt es in den Unternehmen unterschiedliche Modelle - angefangen von der Gehaltsstruktur bis hin zu Verteilungsschlüssel für den Gewinn. Wobei auch da Einigkeit herrschte, dass aus dem Gewinn zuerst die Bedürfnisse des Unternehmens zu bedienen sind, wie ggf. Kapitaldienste, Investitionsbedarfe etc., bevor es um Gewinnausschüttungen für Mitarbeitende und Gesellschafter*innen gehen kann. Ebenso, wie die Einigkeit darüber, dass selbstverständlich alle, die am Erfolg des Unternehmens mitwirken, auch an den Ergebnissen partizipieren sollen.

Interessant war die übereinstimmende Erfahrung, dass es nur relativ wenige Mitarbeitende gibt, die tatsächlich ein Interesse an der Teilhabe am Kapital haben.

Diese Erfahrung machte auch Christian Sigmund von WILDPLASTIC.
Sie waren als 6 Gründer*innen gestartet und wollten von vornherein in Verantwortungseigentum gründen. Über die Zeit hat sich jedoch "herausgemendelt", dass es genau zwei Personen sind, die jetzt nach drei Jahren Unternehmensgeschichte die Rolle als Verantwortungseigentümer*innen übernehmen.

Für Achim Hensen ist genau das der Vorzug von Verantwortungseigentum, wie es von der Purpose Stiftung verstanden und gefördert wird: Es schafft die Möglichkeit, dass die passenden Menschen die Verantwortung für das Eigentum eines Unternehmens übernehmen und nicht einfach diejenigen, die durch Erbschaft oder Kauf mehr oder weniger zufällig in diese Position kommen.

Für Achim geht es nicht einfach nur um eine andere/ neue Verteilung von Eigentum.
Bei Eigentum geht es aus seiner Sicht um drei Ebenen:

  • Erstens: die Ebene der Stimmrechte - gesellschaftlich und juristisch. Also die Frage: Wer bestimmt, wo es lang geht?
  • Zweitens: die Ebene des Gewinnrechts - also die Frage: Wie werden die Früchte der Arbeit, die im Unternehmen geleisetet wird, verteilt und bei wem liegt das Recht, diese Früchte zu bekommen?
  • Drittens: Die Ebene der Weitergabe dieser Rechte- also die Frage: Wer erbt?

Es stellen sich bei einer differenzierten Betrachtung von Eigentum die folgenden Fragen:
Wer sollte warum Macht haben und wie sollte diese Macht weitergegeben werden?
Wer sollte warum das Recht haben, die Früchte der Organisation zu entziehen oder zu bekommen?
Wie betrachten wir das Thema Vererbung?

Verantwortungseigentum folgt auf Grund dieser Überlegungen zwei Prinizipien

  • Prinzip der Selbstbestimmung: Es sollte sichergestellt sein, dass die Mehrheit der Kontrollrechte über eine Organistition von Menschen ausgeübt wird, die in dieser Organisation aktiv oder eng mit ihr verbunden sind. Vor allem aber, dass sie nicht automatisch vererbbar sind oder an einen meistbietenden anomymen, fremden Dritten verkaufbar.
  • Sinnprinzip: Das Geld und die Profite sind ein Mittel zu Zweck, die der Unternehmensidee dienen sollen und die an das Unternehmen gebunden sind.

Genau deshalb ist Verantwortungseigentum besonders geeignet, den passenden Rahmen für die verschiedensten Formen von NewWork und Selbstorganisation zu geben.


Die Beispiele von Sabine und dem bio verlag, Gunnar mit seinem Metallbauunternehmen und Christian mit WILDPLASTIC zeigten auf, dass sich auf dem Weg zu mehr oder gar umfassender Teilhabe im Unternehmen extrem viele Fragen stellen. Zugleich war schön zu sehen, dass sich in dieser Runde Unternehmerinnen und Unternehmer und Mitarbeitende aus Unternehmen getroffen hatten, die eine gemeinsame Haltung eint: Die Haltung, Verantwortung voll übernehmen und zugleich teilen zu wollen und das Bewusstsein, dass es dafür gute Rahmenbedingungen braucht, die gemeinsam geschaffen werden müssen aber auch geschaffen werden können.

Fast so etwas wie ein Fazit waren die folgenden Sätze von Achim Hensen:
Es geht immer um eine Kombination von Struktur und Personen.
Keine Struktur kann eine Haltung ersetzen. Denn Menschen treffen Entscheidungen und übernehmen Verantwortung. Das tut keine Struktur.
Die Definition der Qualität des des Eigentums - was heißt die Eigentümerrolle in diesem Unternehmen? Wie kommt man da rein? Was ist die Verantwortung und die Pflicht in dieser Rolle? - ist ein enorm wichtiger Startpunkt, um die richtige Menschen anzuziehen.
Und: Keine Struktur ersetzt Menschen.


Es gab noch viele interessante Details in den Inputs unserer Talk-Gäste und in der Diskussion in den Breakouts. Schau Dir im Mitschnitt gern diese Inputs und die Essenzen, die aus den Breakouts im Plenum geteilt wurden an.

Leider gab es bei der Bildübertragung während des Zoom-Talks ein paar technische Probleme, so dass Bild und Ton während es Inputs von Sabine nicht übereinstimmten. Die Inhalte sind jedoch so interessant, dass wir Euch den Mitschnitt dennoch zur Verfügung stellen wollen.

Zu Sabines Input gibt es auch eine kleine Präsi, die Du gern als PDF von uns bekommen kannst. Schreib einfach an ja@sinnmachtgewinn.de.

Außerdem findest Du auf Website vom bio verlag sehr detailliert, wie sie dort Entscheidungen treffen und wie die Teilhabe am Erfolg und am Kapital organisiert ist.

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