Never Gonna Give You Up

Warum die re:publica 2026 mehr war als eine Konferenz

Never Gonna Give You Up

Ich war nicht dabei. Nicht in Berlin, nicht in der STATION, nicht in den Schlangen am Morgen. Und trotzdem hat mich die re:publica dieses Jahr sehr beschäftigt.

Das lag u.a. am Motto.
„Never Gonna Give You Up" – auf den ersten Blick ein Augenzwinkern.
Aber wer sich die Sessions anschaut, die in diesem Jahr auf dem Programm standen, merkt: Das war kein Scherz. Das war eine Haltungsansage.

Die re:publica existiert seit 19 Jahren. Sie ist aus einer Zeit entstanden, in der das Netz noch als Versprechen galt – offen, dezentral, für alle. Dieses Jahr hat die Community sich auf diesen Startpunkt besonnen und laut gefragt: Was ist davon übrig geblieben? Wer hat die Entwicklung in welche Richtung gelenkt? Und – für mich am wichtigsten – was können wir tun, damit das Netz und die digitalen Räume wirklich der Zivilgesellschaft und der Entfaltung aller dienen?

Das ist keine romantische Nostalgie. Das ist politische Verantwortung.

Was mich wirklich bewegt hat

Ich habe in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe der Keynotes und Panels nachgeschaut. Und es gibt einen roten Faden, der sich durch viele der Beiträge zieht, die mich am stärksten beschäftigt haben:

Wie funktioniert Agendasetting auf digitalen Plattformen? Wer bestimmt, was wir sehen – und was wir denken? Wer hat die finanziellen Mittel, die Stimmung in der Gesellschaft im großen Maßstab zu beeinflussen? Und was können wir – als Zivilgesellschaft, als Einzelne – dagegen tun?

Die Beiträge, die bei mir besonders nachgehallt haben, blieben nicht bei der Analyse stehen. Sie zeigten konkret, was möglich ist, wenn wir in Aktion gehen. Und genau darum geht es ja. Raus aus der Erstarrung und Ohnmacht, rein in die Selbstwirksamkeit!

Melanie Goemmel & Peter Jelinek von GoodForces haben gezeigt, wie zivilgesellschaftliches Engagement im digitalen Raum tatsächlich Wirkung entfalten kann – nicht trotz, sondern gerade weil es strukturiert und strategisch gedacht wird. → zur Session

Maren Urner hat mit „Radikal hoffnungsvoll" genau das getan, was der Titel verspricht: nicht beschönigen, nicht schwarzmalen – sondern zeigen, wo unsere Schwächen liegen und was Stärken sind, auf die wir vertrauen können und die wir nur einzusetzen brauchen - und wie wirksam wir damit sind. Ich mag Menschen, die nicht so tun, als wäre alles gut. Und die trotzdem nicht aufhören und uns allen Mut machen. → zur Session

Fabian Grischkat hat mich mit seiner frischenund klaren Art begeistert.
Er setzt dem trumpschen „Flood the zone with shit“ ein entschlossenes Nein entgegen und zeigt, mit welchen Strategien wir alle der Autokratisierung des digitalen Raums begegnen können.
„Flood TikTok with truth“ ist sein Gegenentwurf, mit dem der 25-Jährige täglich Hunderttausende in den sozialen Netzwerken erreicht. Seine Kampagnen zeigen, dass wir den digitalten Raum sehr wohl besetzen können. → zur Session

Arne Semsrott – bekannt durch FragDenStaat – hat eindrücklich gezeigt, wie Transparenz als Werkzeug der Demokratie funktioniert. Und warum wir sie aktiv einfordern müssen, anstatt darauf zu warten, dass sie uns gewährt wird. → zur Session

Sally Lisa Starken hat mich noch einmal neu daran erinnert, dass Sichtbarkeit und Stimme – auch die eigene – politische Mittel sind. Gerade in Zeiten, in denen viele das Gefühl haben, dass die großen Hebel woanders liegen. → zur Session

Ein Moment, der mich überrascht hat

Ich hatte nicht erwartet, dass mich der Auftritt von Angela Merkel beim WDR Europaforum – im Rahmen der re:publica – so beschäftigen würde. Aber er hat es.

Nicht weil ich alles, was sie in 16 Jahren Kanzlerschaft getan oder nicht getan hat, plötzlich anders bewerte. Sondern weil sie in diesem Gespräch klar Stellung bezogen hat – zu Werten, zu eigenen Fehlern, zu dem, was sie für unaufgebbar hält. Und weil sie angekündigt hat, sich in den diesjährigen Wahlkämpfen für genau diese Werte einsetzen zu wollen.

Das ist leider keine Selbstverständlichkeit.
Haltung zeigen ist keine Frage des Amtes.

Warum ich das hier teile

Mir geht es so, dass mich diese Beiträge bestätigen, ermutigen und stärken. Sie zeigen, dass ich nicht allein bin mit den Themen, die mich bewegen und für die ich mich engagiere, sondern dass ich Teil einer größeren Bewegung bin. Einer Bewegung, die nicht aufgibt.
Und diese Bestätigung und die damit verbundene Zuversicht wünsche ich uns allen sehr.

Die allermeisten Keynotes und Panels der re:publica 2026 sind auf dem YouTube-Kanal der re:publica frei zugänglich. Ich empfehle euch, dort einfach mal reinzuschauen – und euch treiben zu lassen.
Ihr findet ganz sicher die Beiträge, die Euch gerade jetzt stärken.

Und zum Abschluss: Das offizielle Rückblick-Video der re:publica 2026.

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Veröffentlicht am 29. Juni 2026

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